Jugendclub Pfäffingen e.V.
Verbindet Generationen seit 1969!

Im Jahr 1969 wurde der Jugendclub in Pfäffingen gegründet und ist damit einer der ältesten seiner Art in Baden-Württemberg.

Als in Tübingen die Studenten auf die Straße gingen und Parolen gegen den Vietnamkrieg skandierten, ließ das auch die Leute abseits der Unistadt nicht kalt. Vollends hoch gingen die Wogen, als ausgerechnet am Heiligabend im Weihnachtsgottesdienst Flugblätter durch die Tübinger Stiftskirche flatterten. Das sorgte auch in Pfäffingen für Empörung.

Der heute 73-jährige Ernst Ergenzinger war damals nicht nur Pfarrer in Pfäffingen, sondern auch Mitglied des liberalen Republikanischen Clubs in Tübingen. Er saß mit Leuten wie dem Philosophen Ernst Bloch zusammen, diskutierte aber auch mit Unternehmern wie dem damaligen Walter-Chef Franco Mambretti. „Man muss sich zusammensetzen, um sich auseinandersetzen zu können“, war Ergenzingers Überzeugung. Weshalb also nicht sich in Pfäffingen zusammensetzen, um sich direkt zu informieren über die Studentenunruhen?

 Aber Ergenzinger war erst ein halbes Jahr Pfarrer in Pfäffingen. „Ich habe Frieder Miller gebraucht, der war schon lange Bürgermeister“, erinnert sich Ergenzinger 40 Jahre später an die Situation. Der ebenfalls 73-jährige Miller sagt heute: „Ich fand das schon gut, dass man da drüber redet.“ Gemeinsam organisierten Pfarrer und Schultes für den 13. Februar 1968 eine Diskussion im Pfäffinger Schulhaus. „Warum protestieren die Studenten“ – unter diesem Titel war die Veranstaltung im damaligen Gemeindeblatt angekündigt. In derselben Ausgabe inserierte die NPD für eine Wahlversammlung im Pfäffinger Lamm.

 Nein, das Dorf war damals alles andere als eine Sympathisanten-Hochburg für die neue Protestbewegung: „Ideologisch war schon etwas drin in der Situation“, erinnert sich Miller. Ins Schulhaus kamen dann 400 Leute, um mit dem damaligen Tübinger Landrat und Präsidenten der Synode der Evangelischen Landeskirche Württembergs Oskar Klumpp, dem Tübinger Stiftskirchen-Dekan Friedrich Epting, Bürgermeister Miller und drei studentenbewegten Jungakademikern zu diskutieren. „Das Rezept von Pfäffingen“ lautete später die Überschrift in der „Tübinger Chronik“. Und es funktionierte, dieses Rezept. Das Prinzip vom Miteinanderreden, die Forderung nach offenen Auseinandersetzungen – diese Grundsätze der 68er Bewegung waren angekommen auf dem Dorf.

 

Ein Beathaus und kein Bethaus

 Vor allem die Dorfjugend war schwer begeistert von dem neuen Umgangsstil. „Der Pfarrer hat da schon was aufgemischt“, sagt im Rückblick Georg Hofer. Der 58-jährige Elektromeister und FWV-Kreisrat spielte damals mit anderen Pfäffinger Jugendlichen einmal in der Woche Skat im Pfarrhaus. „Im Herbst ’68 haben die Diskussionen angefangen“, erinnert er sich an die ersten Überlegungen für einen Jugendclub. Den eigentlichen Ausschlag gab damals aber Irene Kirsch, heute Maisch.

 Als 15-Jährige war sie eines Sonntags mit ihrer Freundin im Dorf unterwegs, ausgesprochen fesch angezogen, wie die 55-jährige gelernte Modeschneiderin heute lachend berichtet. Da begegneten sie dem Pfarrer. Ob sie ausgingen, fragte Ergenzinger die beiden. Was die verneinten. In die Disco im Nachbarort dürften sie nicht. Im Dorf sei aber auch nichts los. Ergenzinger lud die Mädchen spontan zum Kaffeetrinken ins Pfarrhaus ein. Getraut hat sich nur Maisch. Noch heute findet sie es „toll, dass der Pfarrer so offen war und mit einem geschwätzt hat“.

 Nach dem Gespräch stand für Ergenzinger fest: „Die Jugendlichen sollen merken, dass sie was machen können, wenn sie sich zusammen tun.“ Für die Idee, den leerstehenden Farrenstall in der Zehntscheuer zu nutzen, holte Ergenzinger wieder Miller mit ins Boot. Von rund 200 Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 20, die angeschrieben wurden, kamen zum ersten Treffen 85.

 Es dauerte dann noch eine Weile, bis die Widerstände im Dorf gebrochen waren. Schließlich sollte es ein „Beathaus und kein Bethaus“ werden, so die Parole. Da befürchteten manche schon einen „Poussierclub“, wie Ergenzinger sich schmunzelnd erinnert. Doch mit viel Eigenarbeit der Jugendlichen selbst und nicht wenig Unterstützung seitens mancher Erwachsener wurde der Farrenstall umgebaut; Ende Februar 1971 schließlich wurde der Jugendclub eröffnet. Ernst Ergenzinger war damals schon nicht mehr Pfarrer in Pfäffingen. Frieder Miller wurde im Zuge der Gemeindereform 1971, als Pfäffingen ein Teilort von Ammerbuch wurde, als Bürgermeister „abgewickelt“. Aber noch heute ist er stolz auf diesen „Beginn der offenen Jugendarbeit“. Georg Hofer und Irene Maisch blieben dem Jugendclub lange treu. Die Hauptsache sei gewesen, „dass man sich treffen konnte“, sagt Maisch im Rückblick. Und Hofer findet, dass der Club eine gute Schule war: „Als junger Mensch hat man sich da auch weiter entwickelt.“ Das tat nicht zuletzt dem Selbstbewusstsein gut: „Wir waren auch stolz darauf, dabei zu sein“, sagt Hofer.

 

 Quelle: (C) by Schwäbisches Tagblatt Tübingen, Uschi Hahn